Krieg ich noch mehr Cookies?

 

Das Thema Corona beschäftigt uns nun schon über zwei Jahre. Aktuell kommt noch der Ukraine-Krieg dazu. Eine echt doofe Zeit. Mir ist vollkommen klar, dass ich hier schreiben kann was ich will. Ändern kann ich damit gar nichts. Aber wenn ich den einen oder die andere von schlechten Nachrichten ablenken kann, ist das ja auch etwas. Corona ist inzwischen schon Routine geworden – klar, wen es schlimm erwischt, für den nicht, bitte nicht falsch verstehen. Aber, dass sich Jonathan und Jamiro-Kai täglich in der Schule selbst testen und wir zuhause gar nicht mehr darüber reden, ist schon irgendwie komische Normalität geworden. Vor ein paar Wochen hat es uns alle zeitgleich „erwischt“. Wir waren alle vier corona-positiv. Aber bei gutem Wetter und mit Garten war die Quarantäne letztlich erträglich. Und es haben uns sehr viele Freunde, Bekannte und Nachbarn Hilfe angeboten. Das war echt toll.

 


Viel mehr beschäftigt uns alle das, was da in der Ukraine passiert. Weit weg? Ja, räumlich schon. Aber wir haben durch Familie und Freundeskreis Kontakt zu zwei Menschen, die zwar seit ein paar Jahren in Deutschland leben, aber noch Freunde und Familie in der Ukraine haben. Dadurch beschäftigen uns die Geschehnisse in der Ukraine mehr, als sowieso schon. Wir versuchen, Kriegs-Bilder und -Filme aus den „Erwachsenen-Nachrichten“ von Jonathan und Jamiro-Kai fernzuhalten. Stattdessen sehen wir jeden Abend zusammen Logo - Nachrichten für Kinder auf KiKa. Dennoch beschäftigt die Jungs das Thema Krieg und wird auch in deren Schulen thematisiert. Jamiro-Kai kam neulich zu mir und sagte, er hätte eine Tasche mit Sachen gepackt, die er mitnehmen möchte, falls wir wegen des Krieges auch fliehen müssen. Da musste ich schon sehr schwer schlucken. Bisher dachte ich, sein einziger Berührungspunkt zum Thema Krieg ist seine Frage “Krieg ich noch Cookies“. Aber in seinem Kopf findet so viel mehr statt. Wie auch immer: Das Thema ist ständig präsent. Daher finde ich es wichtig, den Kindern nicht nur bestmöglich zu erklären, was da passiert, sondern auch Symbolisches für den Frieden zu tun.

 

Dass wir zuhause eine Ukraine-Friedensflagge aufgehängt haben, wurde von den Jungs wahrgenommen und kommentiert. Meine vorher mal da aufgehängten Fahnen mit Flensburger Pilsener oder der Kieler Woche wurden von den beiden eher ignoriert. Bei aller Symbolik habe ich mich aber gefragt, warum auf vielen Bussen in Deutschland „Stoppt den Krieg“ steht. Anscheinend nur in Kiel steht „KVG Stoppt den Krieg“. Ich warte seit einer Woche auf eine Antwort auf meine Frage an die KVG. Denn jedesmal, wenn so ein Bus an mir vorbeifährt, frage ich mich: Wie will die KVG den Krieg stoppen? Schickt sie autoritäre Kontrolleure in den Kreml? Sollen KVG-Busse die Panzer stoppen? Nee, natürlich nicht. Aber die Vorstellung an so einen Quatsch lenkt mich ein wenig von den üblen Bildern aus der Ukraine ab.

Wo ich bei Bussen bin: Oft fährt ein Bus an mir vorbei, auf dem „Leerfahrt“ steht. Ich wünsche mir seit langem, dass im Rahmen der Ausbildung neuer Busfahrer da steht „Lehrfahrt“. Ich sehe schon die Mails vor mir, in denen die KVG belehrt wird, dass man Leer mit Doppel-E schreibt. Wie gerne würde ich die beantworten und schreiben, dass „Lehrfahrt“ in diesem Fall stimmt. Wahrscheinlich hat niemand außer mir so bescheuerte Gedanken, Schulligung.

Nochmal zurück zur Ukraine: Ich bin gebürtiger und bekennender lebenslänglicher Flensburger. Flensburgs Flagge hat wie die Ukraine die Farben gelb und blau. Aber noch spannender (jedenfalls für mich): Die Klitschkos haben ihre große Box-Karriere in Flensburg begonnen. Mitte der 90er Jahre sind beide Brüder als Box-Amateure für den BC Sparta Flensburg in der Box-Bundesliga angetreten.

Flagge des Kreises Schleswig-Flensburg
Flagge des Kreises Schleswig-Flensburg

 

Ich habe Wladimir, den jüngeren der beiden, mehrfach in der Wikinghalle in Handewitt gesehen.
Der BC Sparta war damals die Box-Abteilung des Vereins DGF-Flensborg (Dansk Gymnastik Forening Flensborg). Einem dänischen Verein auf deutschem Boden für den ich mal Handball gespielt habe. Jetzt darauf rumzureiten, dass ich mal im selben Verein war, wie die Klitschkos, erspare ich uns allen. Aber es ist schon spannend, mal nach „Klitschko" und „Flensburg“ zu googeln, wenn man sich etwas für Sport und den Norden interessiert. Auf jeden Fall spuken mir diese Erinnerungen durch den Kopf, wenn ich die Klitschkos jetzt im Fernsehen sehe. Möge der Krieg bald vorbei sein und mögen die Klitschkos und natürlich möglichst viele andere möglichst unbeschadet aus diesem Krieg wieder herauskommen.

 

War jetzt wenig zum eigentlichen Thema dieses Blogs, aber irgendwie überschatten die aktuellen Ereignisse nahezu alles andere.
Was beschäftigt Euch in dieser Zeit? Wie lenkt Ihr Euch ab? Ich freue mich über Kommentare.

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